Katastrophenschutzeinsatz beim Hochwasser in der Prignitz

Im Frühjahr 2013 führte die Elbe, bedingt durch die starken Regenfälle hierzulande und in Tschechien, wieder Hochwasser.

 

Viele Städte und Dörfer entlang des Flusses mussten evakuiert oder zumindest mit behelfsmäßigen Deichen gesichert werden. Da die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen und Hamburg betroffen waren, wurde ein imenser logistischer Aufwand hinsichtlich Personal und Material notwendig. Hilfsorganisationen und freiwillige Helfer reisten aus dem gesamten Bundesgebiet in die Krisenregionen um die Bevölkerung zu unterstützen.

 

Der Brennpunkt Brandenburgs lag in der Prignitz, rund um die Stadt Wittenberge. Am Morgen des 09.06.2013 gegen 06:00 Uhr fuhr die Feuerwehr Potsdam zusammen mit dem DRK und der Wasserwacht in diese Region um die dort tätigen Kräfte zu unterstützen. Neben der Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren aus Bornstedt, Fahrland, Babelsberg/ Klein Glienicke, Drewitz und Potsdam-Zentrum nahmen auch Kameraden unserer Wehr an diesem Einsatz teil.

 

Unser Lager bezogen wir bei der Freiwilligen Feuerwehr in Spiegelhagen, einem einem Ortsteil der Stadt Perleberg. Nach dem Aufbau von Zelten und Liegen in und um die Feuerwache ging es auch schon los in die ca. 15 km entfernte Gemeinde Breese. An diesem Ort fließt die Stepenitz, ein Zufluss der Elbe, vorbei. Bei normalem Wasserstand ist dieser Fluss hier ungefähr drei bis vier Meter breit.


Durch den Rückstau aus der Elbe wuchs dieses "Rinnsal" jedoch auf eine Breite von 1,5 bis 2 km an und drohte den Ort Breese zu überfluten.

Unsere erste Aufgabe bestand darin, den aus Sand bestehenden Notdeich mit Sandsäcken zu erhöhen und zu verstärken. Auch die Taucher der Wasserwacht waren hier mit eingebunden. Der Deich musste mit Folie belegt werden um ein Durchweichen des Sandes zu verhindern.

 

Am Abend wurden wir dann nach Hinzdorf verlegt. Dort musste ebenfalls ein Deich erhöht und zusätzlich gegen Wegrutschen gesichert werden. Nach Aussage einiger Anwohner war dieser Deich schon sehr alt, was man auch gut am Baumbewuchs festellen konnte. Wir arbeiteten dort bis in die Nacht hinein und rückten gegen 23:30 Uhr in Richtung Spiegelhagen ab. Da wir zu diesem Zeitpunkt fast 24 Stunden auf den Beinen waren, ging es bei Ankunft im Lager sofort ins Bett.

 

Der zweite Tag ließ auch nicht lange auf sich warten und stellte uns vor neue Herausforderungen. Diesmal ging es wieder nach Breese, wo wir den Vormittag mit Verstärkungen des Deiches verbrachten und an der Stelle weiterarbeiteten, von der wir am Vortag abgezogen wurden.

 

Nach dem Mittagessen jedoch, wartete eine kräftezehrende Aufgabe auf uns. Wir wurden zum Sportplatz beordert um den dort vorhandenen, durchweichten Deich gegen Absacken und Wegrutschen zu sichern. Hierfür wurde großflächig Fleece ausgelegt und Poller aus Sandsäcken gegen die Deichwand gebaut.

 

Wir standen zusammen mit Anwohnern und freiwilligen Helfer in einer fast endlos wirkenden Kette, durch die die Sandsäcke im Eiltempo nach vorn gereicht wurden. Erstaunlich war, dass die Bewohner des Ortes trotz der brenzligen Lage nicht ihren Humor verloren hatten und für einige Lacher sorgten. So arbeiteten wir sieben Stunden lang ohne Pause bis der Deich vollständig gesichert war.

 

Durch den Deichbruch im gut 70 km entfernten Fischbeck konnte man allmählich einen Rückgang des Wasserpegels beobachten. Da es für diesen Tag auch keine weiteren Aufgaben für uns gab, fuhren wir gegen 20:00 Uhr wieder zurück ins Lager. Dort wartete schon der Versorgungstrupp des DRK mit leckerem Grillfleisch auf uns.

 

Am dritten Tag war unsere Aufgabe etwas leichterer Natur. Wir mussten im Abstand von 2 Metern Fleece-Streifen unter die Sandsäcke legen um ein Ablaufen des bereits im Deich gesammelten Wassers zu ermöglichen. Dies war notwendig damit die Deiche dem hohen Druck weiter standhalten.

Da zu diesem Zeitpunkt das Einsatzende noch nicht vorhersehbar war, stellte die Feuerwehr Potsdam ein zweites Kontigent als Ablösung zusammen. So trafen am Dienstag den 11.06.2013 gegen 13:30 Uhr weitere Kräfte aus der Heimat in Breese ein.

 

Drei Kameraden unserer Wehr traten den Heimweg an, um beim geplanten, erneuten Abmarsch am Donnerstag wieder fit und tatkräftig zur Verfügung zu stehen. Dazu kam es auf Grund der entspannten Lage in der Prignitz jedoch nicht mehr.

 

Die verbliebenen zwei Kameraden verlängerten ihren Aufenthalt um einen Tag, da sie ab Donnerstag wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen mussten. Der dritte Tag endete mit Deichsicherungs- und Verstärkungsarbeiten rund um die Sportplatzregion in Breese. Zwischendurch mussten auch hin und wieder kleinere Sickerstellen repariert werden.

 

 

Der vierte und auch letzte Tag begann mit kleineren Deichreparaturen. Am Nachmittag schaute der brandenburgische Innenminister, Dr. Dietmar Woidke, erneut in der Krisenregion Breese vorbei und richtete dabei auch ein paar Dankesworte an die Kameraden der Potsdamer Feuerwehr. 

Nach Abbau des Zeltlagers in Spiegelhagen endete auch vorerst der Katastrophenschutzeinsatz für alle Kräfte aus Potsdam.

 

Somit konnten die vier Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Groß Glienicke, die sich für den dritten Abmarsch bereit hielten, entspannt ihrem normalen Alltag nachgehen und mussten nicht mehr in die Prignitz abrücken.

 

Nachsatz:

In der Zeit unseres Aufenthalts waren in Wittenberge und Umland ca. 2500 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen, sowie der Polizei und der Bundeswehr im Einsatz. Dazu kamen die Anwohner und angereiste Verwandte oder Bekannte und Firmen aus der Region, bei denen es keine Altersunter- bzw. Obergrenze gab. Wir selbst haben in einer Kette mit einem 14-jährigen Jungen gestanden, der von sieben Uhr in der Früh bis in den Abend hinein Sandsäcke getragen und weitergereicht hat. Auch an den Sandsackfüllstationen waren viele Kinder, Jugendliche und Rentner im hohen Alter zu beobachten.

 

All diesen Menschen zollen wir unseren höchsten Respekt für ihr Engagement!

 

 

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Fluthelfern bedanken, die unermüdlich den Kampf gegen die Wassermassen aufnahmen.

 

Ein besonderer Dank gilt der Freiwilligen Feuerwehr und den Einwohner aus Breese, welche uns tatkräftig unterstützten und unsere Mittags- und Getränkeverpflegung sicherten.

 

Weiterhin danken wir der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelhagen für die Unterkunft und dem DRK aus Potsdam für die leckeren und reichhaltigen Mahlzeiten im Lager.

 

Wir wünschen allen von der Flut betroffenen Personen, dass wir zukünftig nur noch als Touristen in Eure Regionen kommen und nicht mehr als Helfer tätig werden müssen.

 

Bleibt stark und haltet zusammen!!!

 

Eure Freiwillige Feuerwehr Potsdam-Groß Glienicke